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Als Peter Spiegel und ich uns im November 2006 den Kopf darüber zerbrachen, wie wir unsere Web-Präsentation zur Weihnachtszeit mal neu aufsetzen könnten, fragte er mich, ob ich nicht vielleicht irgendeine Geschichte schreiben könnte, die etwas mit Weihnachten zu tun hat, oder irgendeinen Reisebericht... Ich schreibe aber keine Reiseberichte und für etwas besinnliches zur Weihnachtszeit schreibe ich nicht den richtigen Stil. Da kam mir die Idee, dass ich ja 1999 eine Fahrradreise über die Norddeutschen Weihnachtsmärkte machte, und ich schließlich von meinen Reisen immer viele Fotos und auch ein Reisetagebuch habe. So setzte ich mich dahinter und schrieb einen lesbaren Norddeutschland-Weihnachtsmarktfahrradreisebericht, den ich „Eine zweimalige Reise (Das erste und das letzte mal)“ nannte, weil ich mich auf der Reise nicht immer recht wohl fühlte, und sehr hohen Verschleiß an der Fahrradtechnik hatte. Dass ich mich nicht wohl fühlte lag nicht am Wetter, sondern an ein paar Bakterien, die ich inzwischen los bin und dass die Verschleißteile am Fahrrad bei schlechtem Wetter und insbesondere bei Schnee sehr in Mitleidenschaft gezogen werden ist mir ja zur Genüge bekannt. Da in den letzten Jahren die Winter immer kürzer und heftiger wurden, sowie auch die Stürme zugenommen haben kam es auch häufiger vor, dass ich mal bei extremen Minus-Graden und heftigen Windstärken gute Erfahrungen mit meinem Langliegerad machte, das sich allmählich zum perfekten Fahrrad für alle Situationen in denen es kein Spaß bringt Rad zu fahren etabliert hat. So weit zum besseren Verständnis, warum ich auf die Idee kam, doch wieder im Winter mit dem Fahrrad eine Reise zu unternehmen. Vom 6. – 14. März 2008 hatte ich meinen Resturlaub von 2007 bekommen, und wollte diesen nutzen, um meine Bewegungsmangelerscheinungen wieder loszuwerden. Irgendwie fühle ich mich zur Nordseeküste hingezogen, und möchte noch nachholen, was ich bislang auf meinen Fahrradtouren und Reisen an Schleswig Holsteins Nordseeküste verpasste: Ich möchte mir Marne ansehen (Da kommt auch eines meiner Lieblingsbiere her) Ich möchte in St. Peter Ording übernachten (Da war ich das letzte mal als kleines Kind) Ich möchte über den Damm ab Nordstrand (weil Peter mir immer davon vorschwärmt) Und ich möchte auf Amrum übernachten (weil ich das 1996 verpasste) Nun ist der März in den vergangenen Jahren mit Stürmen und/oder mit Schnee gesegnet, wobei es auch mal von einem Tag zum nächsten zu gewaltigen Temperaturstürzen kommen kann, oder ebenso plötzlich ein Orkan übers Land fegt. Durch Verzicht auf meine Campingmöglichkeiten habe ich Platz in den Taschen, um mich mit einer Auswahl an wärmenden und wasserfesten Kleidungsstücken einzudecken. Meinen Jugendherbergsausweis hatte ich auch mit, rechnete jedoch damit, dass ich wohl meistens in Hotels oder Gasthöfen übernachten werde, die im Winter ja auch recht günstig sind. Wenn in einer Jugendherberge sonst niemand angemeldet ist, hat sie geschlossen. Nur vormittags ist jemand da, dann kann man sich persönlich anmelden, oder aber telefonisch während des ganzen Tages. Ich habe es nicht nötig extra die Herbergseltern zu bemühen, nur um ein paar Euro zu sparen. Bei Schietwetter habe ich auch keine Lust im Dunkeln kreuz und quer in einer Stadt nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu suchen, dass ich wohl auch das erstbeste akzeptiere, vorausgesetzt es ist nicht unverschämt teuer. So fuhr ich am 7. März 2008 bei ca. 8 Grad und nicht nennenswerten Winden überwiegend die B 431 nach Brunsbüttel.

Strandbar Copacanala

Um 13:20 Uhr kam ich in Marne an. Die Touristinformation hatte zu. Instinktiv nach rechts. Immer dahin, wo der Kirchturm aus dem Häusermeer ragt. Ein schnuckeliger Marktplatz der, wie in so vielen anderen Städten auch, an Nicht-Markttagen als Parkplatz genutzt wird. In der einen Ecke steht die Kirche, daneben ein nettes Restaurant.



Dem gegenüber die Brauerei Hintz, dessen Führungen, nach einem Prospekt, schon über Monate im voraus ausgebucht sind.

Brauerei Hintz

Zwischen Kirche und Restaurant hindurch, ist da das Marner Rathaus. Die Innenstadtgassen laden richtig zum flanieren ein. Jetzt im Winter ist aber nicht viel los. Ich sehe ein paar Figuren, die für die Sommertouristen vielleicht mal ein wenig abgeduscht werden könnten.
 


Backens - Denkmal
¿ ?

 
Nachdem ich der Vielzahl von „Tretminen“ erfolgreich ausgewichen war, gönnte ich mir noch einen Kaffee, bevor ich vor Einbruch der Dunkelheit nach St. Michaelisdonn aufbrach. Das Wetter war schmuddelig aber trocken. Der Radweg an der Hauptstraße entlang ist eine mittlere Katastrophe. In St. Michaelisdonn ist die Jugendherberge zu. Ab ins Hotel. Sah recht einfach aus. War auch einfach. Für die Ansprüche, die ich stelle, war es Luxus pur. Eigenes Bad, Toilette, Handtücher, Fernseher, Radio... Für jemanden, der das Campen gewohnt ist, fühlte ich mich fast fehl am Platze; bei dem Wetter, wo die Zeltplätze alle ausgestorben sind, bringt es aber auch keinen Spaß vielleicht kostenlos zu übernachten, aber in Regen und Kälte das nächste Restaurant zu plündern, um anschließend in Regen und Kälte wieder zurück zum Zelt und die nassen Klamotten..... Es regnete aber nicht. Ein Spaziergang im Dunkeln, Kirchen von außen, Kneipen von innen, mit einem Einheimischen unterhalten und ab in die Falle. Ich vermisste meinen Schlafsack. Am nächsten Tag, den 8. März fuhr ich zum Draisinenbahnhof, wo man sich Fahrraddraisinen nach Marne mieten kann. War aber keine da. Im Winter ist hier wohl auch kein Betrieb.

Wer fährt schon im Winter gerne mit dem Rad? Axel !



Ein Stück die North Sea Cycle Route zur Mühle.


Weg matschig, dann bergauf- grobes Pflaster und links ab Richtung Meldorf. Die NSCR bis nach Gudendorf


und dort weiter auf der Hauptstraße. Perfekter Radweg, leicht bergab, Sonnenschein und Rückenwind. Gut Erholt kam ich am Samstag morgen um 10:00 Uhr in Meldorf an. Eine Geisterstadt? Die Geschäfte hatten auf, drinnen waren auch Kunden, aber auf den Straßen ein Betrieb wie Sonntags. Nach Stärkung die NSCR zum Meldorfer Hafen und ab nach Büsum. Da sah ich ein riesiges Gebäude, an das ich mich gar nicht erinnern kann. (Ich fuhr hier 2004 schon mal) Blanker Hans, eine Erlebnis- Sturmflutwelt. War auch neu. Scheint ganz interessant zu sein, für mich war nur das Restaurant interessant, was ich auch unabhängig von der Ausstellung nutzen konnte. Rein nach Büsum.


Durch ein Loch im Raum-Zeitkontinuum
    


und Deich zum Eidersperrwerk.
  


und eine unheimliche Begegnung mit der dritten Art:
   


Beim Eidersperrwerk verspürte ich nicht die geringste Lust, mich für dumm verkaufen zu lassen und den Affenkram mit dem Fahrrad zu machen. Also, rauf auf die Straße, durch den Tunnel und auf der anderen Seite wieder auf den Radweg. Und? Was ist daran schlimm? Beim Abzweig Richtung St. Peter Ording eine Bushaltestellenpause. Da entdecke ich dieses Schild:


Eine 3000 Meter lange Toilette. Und wenn man sich entleert hat, kann man wieder nachfüllen, oder wie darf ich das verstehen?

Touristisch erschlossen, aber für die Einheimischen werden entsprechende Hinweise dabei geschrieben:

 

Oh Deiche hoch, oh Wiesen weit, vor allem weit


Am heutigen Tage, dem 8. März 2008, hatte ich den Wind überwiegend von hinten (Binnenland) bzw. direkt von hinten (Deich). Nach St. Peter Ording ging’s jetzt immer den Deich entlang mit Wind von vorn. Ein paar andere Radfahrer kämpften sich richtig durch den Sturm und ich fuhr einfach vorbei. Ganz ohne war das für mich aber auch nicht. Die Verkleidung kann auch nicht aus Gegenwind Rückenwind machen, aber ich sitze bequem und fahre schneller als alle anderen. In St. Peter Dorf war Kaffee- und Kuchenzeit. Anschließend irrte ich ein wenig umher, um nach einem Platz für die Nacht zu suchen. In der Pension Dünenschloss bekam ich ein Zimmer und die Information, wo ich hier eigentlich bin. Mit einem Stadtplan in der Tasche durch St. Peter Dorf geschlendert und analysiert, wo ich überall einkehren werde. Im Wanlik Hüs gegessen, im täglich getrunken und im Hotel geschlafen. Der nächste Morgen: Sonntag 9. März begrüßte mich mit Regen. Glücklicherweise musste ich mich noch mit dem Frühstück aufhalten, bei dem ich mich auch mit meinem Gastgeber über Fahrradreisen unterhalten hatte. Er hat das gleiche Problem wie wohl alle Fahrradreisende. Wenn man Zeit dafür hat, hat man nicht genug Geld; und wenn man genug Geld hat, hat man aber nicht mehr genug Zeit. Das Wetter gehorchte mir und es hörte auf zu regnen, als ich losfuhr. Einmal an den Deich. Wind pur. Geteerter Deich.

So was hässliches. Da haben die Schafe ja gar nichts mehr zu futtern. Bloß weiter, grünen Deich suchen. Die Hauptstraße Richtung Westerhever.
Jetzt ab zum Leuchtturm. Zu Fuß mit Regen und heftigem Gegenwind.

Eine halbe Stunde war ich zu Fuß unterwegs. In dem einen Haus war eine kleine Ausstellung vom Schutzverband Deutsches Wattenmeer mit Aquarien, in denen die Tiere, die im Watt leben beobachtet werden können. Dazu erzählte ein „Norddeutsches Original“ in amüsanter Art, was da im Watt alles los ist, wozu man Leuchttürme braucht, wie unzuverlässig GPS ist, was die Arbeit des Schutzvereins ist und so weiter. Es tat mir fast schon leid, wieder zurückgehen zu müssen. Da hat’s nicht mehr geregnet und jetzt hatte ich ja Rückenwind. 20 Minuten bis ich wieder vorne am Deich war.



Ein älteres Paar bewunderte noch mein Fahrrad und ER war auch sehr gesprächig. ER hat auch sein Leben lang immer Fahrradreisen gemacht, kreuz und quer durch Europa, fuhr auch viele verschiedene Fahrräder und die besten Fahrräder werden seiner Meinung nach von Koga Miyata gebaut. Langlieger sind die seltensten Exemplare, die er gesehen hat und meiner ist der erste mit Frontverkleidung. Da fing es wieder an zu Regnen. Und ca. 4 Beaufort von rechts. Durch Wind und Regen ganz gemütlich bis nach Husum durchgekämpft.
zum vergrößern klicken Logo Husumer Bucht www.husum-tourismus.de

Der Leuchtturm hat doch mehr Zeit in Anspruch genommen, als ich dachte. Aus meinem Vorhaben, noch bis nach Amrum zu fahren wird nichts mehr, also quartierte ich mich in Husum ein. Ich hatte Lust darauf, sowohl meine kulinarischen, wie auch meine alkoholischen Bedürfnisse in einem kleinen lauschigen originellen Hafenlokal zu befriedigen (Ich bin kein Alkoholiker). Ich denke, ich seh’ nicht richtig: Meine Träume gehen alle auf einmal in Erfüllung in dem Lokal „Compass“. Auf der Speisekarte erblickte ich das Gericht „Hafenschnitte“. Das ist Rumpsteak auf Toast, mit Käse überbacken und Pfefferkörner, ein Weinträubchen, eine Orangenscheibe, eine Kiwi-Scheibe und 2 Blätter Salat. Ich aß, ich trank, ich schrieb Tagebuch, ich fühlte mich wohl und zufrieden, und vergaß die Zeit. Der Satz „Dürfte ich bei ihnen auch abrechnen“ riss mich wieder in die Gegenwart zurück. Mit Erlaubnis habe ich noch ein Foto gemacht


und bin ins Hotel zurück getorkelt. Am nächsten Morgen, Montag, dem 10.3. fuhr ich die Straße Richtung Nordstrand bei herrlichem Sonnenschein und 32 km/h Wind von hinten. Das änderte sich natürlich, als ich den Westkurs nach Nordstrand einschlug. Da kam der Wind von links. Ich hatte nun aber nicht vor Nordstrand zu erobern, sondern den Damm am Beltringharder Koog.


Wie Peter mir erzählte ist das eine schöne Piste zum Gas-Geben, weil die Windverhältnisse dort recht eindeutig sind. Jawohl: Eindeutig von hinten. In meiner Frontverkleidung fängt sich der Wind so wunderschön, und immer mit 30 – 35 km/h vorangekurbelt. In Höhe Nordstrandischmoor erblickte ich eine Gaststätte. Bremsfallschirm, Enterhaken, hatte aber zu. Das einzige, was hier auf war, waren die öffentliche Toiletten. Und dann habe ich mich wieder dem Wind angepasst. In Höhe Hamburger Hallig stand da das Amsinck-Haus. Da war auch ein Schild: „Wir haben geöffnet“, und rein. Da gab es aber auch nichts zu essen. Es war eine Ausstellung über alles, was so im Watt vorkommt, jedoch, wie es mir schien, eher für Kinder. Und weiter den Wind entlang bis Schlüttsiel.


Aha, die Fähre ab Schlüttsiel fährt im Winter nicht nach Wittdün, sondern nur zu den Halligen. Also, muss ich noch weiter nach Dagebüll. Aber in Schlüttsiel war ein Bistro offen. Lieber Leser, jetzt rate mal, was ich dann machte: Essen. Anschließend nach Dagebüll. War gar nicht mehr weit.


Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön – aber nur zwei Stunden. Um 16:11 rollte ich vom Schiff auf eine Insel namens Oomram. Willst Du am Südseestrand liegen, musst Du in die Südsee fahren oder nach Oomram. Willst Du in die amerikanische Steppe, musst Du nach Amerika fahren oder nach Oomram. Willst Du durchs Gebirge fahren musst Du ins Gebirge oder nach Oomram. Irgendwie findet man auf Oomram alles was das Herz begehrt. Es gibt dort nichts, was es nicht gibt.
 

Ich suchte ein Cafe – und fand es, ich suchte einen Platz für die Nacht – und fand einen, ich suchte die Abendstimmung – und fand sie, ich suchte was zu essen – und fand es, ich suchte eine Kneipe – und fand sie, und mein Hotel fand ich auch wieder. Am nächsten Morgen, den 11. März, stürmte ich eine halbe Stunde zu früh den Frühstücksraum. Ich möchte doch noch die Insel einmal abfahren. Vor allem zum Schullandheim, wo es so aussieht, wie eine amerikanische Steppe. Die Fähren zurück zum Festland fahren um 12:30 Uhr und um 16:30 Uhr. Letztere könnte etwas spät werden, denn immerhin ist das Schiff 2 Stunden unterwegs. Also zeitig los Richtung Süddorf.
 

weiter nach Nebel


und bei Norddorf ab in die Wildnis bis zum Schullandheim.
 

Was ich kaum merkte war, dass ich die ganze Zeit mit kräftigem Rückenwind fuhr. Als ich dann wieder in die Zivilisation zurück wollte, fing es an zu regnen. Jetzt hatte ich Sturm und Regen direkt von vorn. 13 – 15 km/h kam ich voran. Gerade durch Norddorf durch und die Hauptstraße gefunden, da wird es mit dem Regen immer heftiger. Da in dem Bereich bereits Waldgebiet ist, merke ich vom Wind nicht viel, dafür ist der Regen ohne Wind umso ekelhafter, weil er dann von oben kommt. Wie ein Feigling hab’ ich mich in einer Bushaltestelle verkrochen und das Regenende abgewartet. Es hat tatsächlich aufgehört. Und weiter durch Nebel bis Wittdün, wo ich etwas zu früh wieder ankam. Das Schiff war noch nicht da. Noch ein Kaffee und runter zum Fähranleger. Das war ja richtig interessant, wie die Fähre leergeräumt wurde. Zwei LKW’s fuhren rückwärts auf die Fähre, um Anhänger vom Schiff zu ziehen. Inzwischen fing es auch wieder an ein wenig zu tröpfeln. Bevor der Regen richtig loslegte war ich schon auf dem Schiff – der „Uthlande“. Mittagessen: Ein Hacksteak mit Spiegelei und Kartoffelsalat und ein Glühwein. Zu meinem Erstaunen schmeckten der Kartoffelsalat und das Spiegelei ausgesprochen gut, nur das Hacksteak war etwas nüchtern. In Dagebüll angekommen hat’s so richtig schön geregnet und gestürmt. Ein Stück die gleiche Strecke zurück, die ich gekommen bin; und irgendwo links abgebogen. Beim Bauhof Dagebüll habe ich den Wind- und Regenschatten genutzt, um meine Bekleidung dem Wetter anzupassen. Ein Ende der nassen Umstände war nicht abzusehen und so fuhr ich los, in der Hoffnung mich nicht zu verfahren, denn bei 8 Beaufort, die mir den Regen in die rechte Seite drücken, ist es nicht einfach auf die Karte zu sehen. In West-Langenhorn sah ich ein Vordach von einer Werkstatt, die Windschatten bot. Dort wollte ich eine Pause machen. Anhalten, Ständer runterklappen, absteigen. Nanu, ich bin ja gar nicht so erschöpft, wie ich mich fühlte, als ich noch fuhr. Dann war das also nur der Stress, die 8 Beaufort - Regentropfengeschosse die ganze Zeit auszuhalten. Immerhin fuhr ich 22 – 25 km/h und hatte ganz schön Schlagseite. Durch die Verkleidung stabilisiert sich das Rad aber irgendwie, je schneller der Wind ist. Höhe Sterdebüll ließ der Regen ein wenig nach und als ich nach Bredstedt hereinkam, kam schon fast nichts mehr runter. Ins Hotel Friesenhalle: „Moin, ich such’n Zimmer für ‚ne Nacht.“ Da mustert er mich von oben bis unten und sagt: „Jo, dat gleuv ik di sogar.“ Nachdem ich meine beiden nassen Jacken und die nasse Hose im Heizungskeller zum trocknen aufgehängt habe, ging ich mir Bredstedt angucken. Da aber die Außenjacke der Doppeljacke im Heizungskeller hing, blieb mir nur noch die Innenjacke, die allein nicht gerade wärmend und wasserfest ist. Geregnet hat es nicht mehr, aber es war frisch. Daher war der Spaziergang nur kurz.


Am nächsten Morgen, dem 12. März, erblickte ich auf der Terrasse des Hotels beim Frühstück ein Norddeutsches Vogelhäuschen


Losgekommen bin ich im trocknen, aber es war recht windig und sah auch verdammt nach Regen aus. Bis Husum kam aber nichts. Dort ließ ich mich von einer Radfahrerausschilderung versehentlich in den Stadtpark leiten, wo ich ein Feld voller Krokusse erblickte.


Ein traumhafter Anblick. Nach einer Stärkung in einem Husumer Cafe fing es dann doch an zu regnen. Und dann das gleiche, wie gestern: Windstärke 8 von rechts, kräftig gewässert. Meine wasserfesten Gore Tex Handschuhe tragen etwas dick auf, dass ich diese nicht in die Ärmel der Gore Tex Jacke bekomme, wodurch das Regenwasser den rechten Ärmel herunter in den Handschuh lief. Wasserfeste Handschuhe: Nicht nur von außen, sondern auch von innen. Bei einer Tankstelle an der B 5 machte ich eine Essenspause und wrang den rechten Handschuh aus, bevor ich weiterfuhr.
Pferd mit Motorradkopf

Da dieser innen immer noch nass war, zog ich rechts meinen dünnen Handschuh an und darüber den nassen, Wasserfesten, denn mit nasser Hand kann ich bei der Windstärke nicht fahren. Weiter nach Friedrichstadt. Jetzt waren auch die dünnen Handschuhe durchnässt, und die dicken auch, und damit konnte ich die Tour für heute abbrechen. Ins Hotel „Holsteiner Hof“. Ich denk’, hier hat man sich seit 50 Jahren um nichts mehr gekümmert. Alles sah aus, wie in den 50er- 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Aber gepflegt: Heizung, Fernseher, Radiowecker, Bad, alles funktionstüchtig, neu und gut ausgestattet. Dann erkannte ich, dass auf den Fluren alte Wäschemangeln und alte Nähmaschinen stehen. Eine imposante Standuhr...

...und die Fußböden knarren. Wie eine kleine Zeitreise in dieVergangenheit.


 Und Spaziergang:
     


Noch mal ins Hotel und den Fernseher aktiviert, lese ich im Teletext vom Sturmtief „Kirsten“, das Autos und Lastwagen ins Schleudern brachte. (Sind LKW’s denn keine Autos?) Und Windgeschwindigkeiten von bis zu 115 Stundenkilometern in Nordrhein Westfalen. Hier im Norden ist es aber nicht ganz so heftig. Windstärke 8 (62 – 69 km/h) war es höchstens. Auf einem Rückenwindabschnitt fuhr ich mal über 40 und hatte immer noch kräftig was im Rücken. Am nächsten Tag, dem 13. März, war das Wetter schon etwas besser. Die Winde haben nachgelassen, wehten aber noch kräftig von West und es hat nicht mehr geregnet. So hatte ich den Wind entweder von rechts, oder von hinten, oder irgendwo dazwischen, und kam daher mit traumhaften Geschwindigkeiten voran. Und es wurde immer hügeliger. Über Tellingstedt, Albersdorf, Schafstedt bis an den Kanal und von dort am Kanal entlang nach Hochdonn. Von dort kannte ich die Strecke blind nach Hause. (Ich glaube, mein Rad auch) Bemerkenswert ist nur noch, dass ich in Vaale Mittag gegessen hatte, um 14:00 Uhr weiterfuhr und um 16:06 Uhr zuhause in Elmshorn vor meiner Garage stand. Rückenwind!
Wenn der Wind von Süden weht, es blitzeschnell nach Amrum geht, Ich komm’ nach haus am besten, weht der Wind von Westen.
Leider hatte ich die ganze Zeit keinen Schnee. Das hätte tolle Fotos gegeben, denn Wind kann man schlecht fotografieren. Diese Reise war wegen der Winde richtig abwechslungsreich und abenteuerlich.
Bekleidung hatte ich im Gepäck, dass es auch in den Frostbereich hätte gehen können und bei Schnee sollte es auch kein Problem sein, denn 1999 fuhr ich ja auch durch Schnee und mein Langliegerad fährt sich im Schnee noch besser, nur genauso verschleißfreudig. Mit genug Bremsklötze und Schläuche im Gepäck und eine Tube Fett dabei, sollte es doch kein Problem sein, öfters mal so eine Winterreise zu machen. Keine Touristen (dachte ich, waren aber doch welche da), die Hotels sind billiger - und wenn man abends nach dem Wetterkampf durch die Ortschaft flaniert, im Restaurant einkehrt, ist das ein Gefühl wie man es auf einer Sommerreise nie zu spüren bekommt.

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