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Drei Fahrradreisen durch Südengland

Vorwort 

 2008: Ich machte drei Reisen durch Südengland mit dem Fahrrad. Die erste Reise war auch meine erste lange Reise mit dem Fahrrad, die ich also fast ohne Vorahnung durchführte. Angeregt, von einem Bekannten, der mir seine Urlaubsfotos von seiner Autoreise mit Freundin durch Südengland zeigte. 1995 fuhr ich mit meinem damaligen Tourenrad, dem Peugeot P 41 S, (siehe "Mein Primus Periculum"- am Anfang) mit leichten technischen Verbesserungen die gesamte Südküste entlang von Broadstairs bis Lands End. Mehr darauf bedacht möglichst weit zu fahren und somit viel zu sehen. Die Isle of Wight ließ ich aus und so manche Landzunge schnitt ich ab. Zurück mit Bahn bis Taunton – mit Rad bis Salisbury – mit Bahn bis Canterbury und mit Rad zurück nach Ramsgate / Broadstairs.

Seitdem machte ich jedes Jahr eine Fahrradreise kreuz und quer durch Deutschland und angrenzendes Europa, bei denen ich mit der Zeit immer mehr Erfahrungen sammelte und meine Ausrüstung perfektionierte – und auch mein Rad. Kurz vor meiner Reise 1996 hatte ich einen Unfall und kaufte mir einen neuen Rahmen, an den ich fast alle Teile vom Peugeot montierte und ich mit dem so entstandenen Rad meine ganzen Reisen bis 2003 durchführte. 

2004 und 2005 fuhr ich zwei Reisen mit meinem Langliegerad und seit 2006 mit dem Toxy LT. Erst mal Schweden und 2007 dann wieder Südengland überall da, wo ich 1995 nicht war. Die Isle of Wight als erstes und dann westwärts, die 1995 abgeschnittenen Landzungen abgefahren und wegen anderer Interessen, als nur möglichst weit zu fahren auch nur bis Plymouth gekommen. Dabei habe ich festgestellt, dass ich für Südengland total überorganisiert war. Ich war einfach überladen und hatte Ausrüstungsgegenstände mit, die ich in Südengland überhaupt nicht brauche. Die Küchenausstattung zum Beispiel, denn dort gibt es genug zu essen, wenn es kulinarisch auch für einen „Festländer“ mit Vorsicht zu genießen ist, denn die Engländer haben einen etwas anderen Geschmack. Auch mein tolles Zelt mit viel Platz und Komfort wog etwas mehr als mein billiges Kleinzelt, das ich 1995 mithatte. Das musste ich jeden Hügel mit hoch schleppen und Südengland besteht nur aus Hügeln. Auch lud mich das ein, fast immer einen Campingplatz aufzusuchen, wo ich auch nur auf Camper stieß. Und Camper sind irgendwie in jedem Land ähnlich. Sie kommen nicht von da, und begeistern sich fürs Baden und fürs Sonnen. Ich bin kein Fisch, und faul in der Sonne einen Sonnenbrand holen ist auch nicht mein Fall. Ich brauch’ das Zelt doch nur zum übernachten. Lieber vorher im gemütlichen Pub mein Tagebuch schreiben und ein schönes Cider trinken. Wer das deutsche Bier kennt, wird den englischen Sorten Lager, Ale und Stout sicher nicht viel abgewinnen können. 

Bed & Breakfast und Jugendherbergen sind meiner Ansicht nach die besten Übernachtungsmöglichkeiten, um mit Land und Leute zusammen zu kommen. In beiden Fällen bekommt man meistens zu hören, wo der nächste Pub ist. Das ist zumindest für mich wichtig. Beim B&B kommt man häufig direkt in einen englischen Haushalt hinein und bekommt somit eine ganze Portion typisch englisches Flair um die Ohren, was den Charme so einer Reise richtig unterstreicht.

In Jugendherbergen kommt man sozusagen ins „Zentrum der Umgebung“. Man findet Informationen über die ganze Gegend, den Küstenabschnitt, die Wanderwege, das umgebende Gehölz usw. und trifft auch Gleichgesinnte, was auch mal zu einer längeren Unterhaltung führen kann. Ist die Jugendherberge voll, gebe man zu wissen, dass man ein kleines Zelt mithat, denn viele englische Jugendherbergen lassen Reisende auch auf ihrem Grundstück Zelten. Das kostet dann den halben Übernachtungspreis – keinen Bettwäschebeitrag – und Frühstück kostet  sowieso extra, wenn es Frühstück gibt, denn viele Jugendherbergen haben „Self Catering“. Eine komplette Küche wo man sich selbst was machen kann. In dem Falle kann man von Glück reden, wenn man in der Küche ein paar Cornflakes und Milch findet. Damit sind Jugendherbergen, wo es Frühstück gibt, bei denen man Zelten kann die billigste reguläre Übernachtungsmöglichkeit in England. 

Zufälle ließen mich auch schon kostenlos übernachten, aber nicht in Jugendherbergen. 

Im August 2008 fuhr ich dann mit abgespeckter Ausrüstung los. Die Reise vom Vorjahr fortgesetzt. Ab Plymouth weiter die Südküste, dann die Atlantikküste, den Bristol Channel und zielstrebig zurück zum Heathrow Airport. An meinem Toxy hatte ich mir noch einen besseren Gepäckträger montiert und den Low Rider erfolgreich höher „gebastelt“. 

Das Toxy hat sich als absolut England-reisetauglich erwiesen. Vorne hatte ich ein 39er Kettenblatt, hinten die Sram-Dual-Drive mit einer 32-11er 9-Fach Shimano Kassette drauf.
Die Nabe hat die Übersetzungen  0,73:1,   1:1 und   1,36:1.

Daraus ergibt sich eine Übersetzung für bergauf von  1:0,89,  und bergab1:4,82. Das ist ein Übersetzungsspektrum von 542 %. Für Süd-England eigentlich nicht so interessant, denn dort geht es sowieso nur rauf und runter. Runter lässt man sich einfach nur rollen, und für rauf ist es wichtig, dass man leichte Gänge hat. Also sollte die kleinste Übersetzung schon recht klein sein, damit man bei 5 km/h „Bergauf-Kampf“ noch so um die 80 Umdrehungen kurbelt. Geht es dann noch zu schwer, hilft nur noch schieben, da man bei so niedrigen Geschwindigkeiten das Rad kaum noch in der Balance halten kann. Ansonsten zeigten meine Erfahrungen, dass wenn man lange bergab mit Gegenwind fährt, oder man den heftigen „Bergab-Schwung“ fürs nächste bergauf etwas unterstützen will, es reicht, wenn man 30 – 35 km/h noch gut mittreten kann. Die letzten drei Ritzel (11/12 und 14) hatte ich nie gebraucht, dass eine 6-fach Kassette 14-32, wie ich sie an meinem Ex-Reiserad und meinem Langliegerad fahre völlig ausreichen würde.

Alles, was störte, aber noch erträglich war, war das Geschepper in der Schaltungsnabe. Die englischen Straßen sind mit einem sehr rauen Oberflächenbelag, wohl wegen der besseren Reifengriffigkeit bei den vielen Steigungen. Fährt sich nicht so schlimm wie auf Kopfsteinpflaster, aber so als ob man die ganze Zeit über Lüftungsgitter fährt. Erst ab ungefähr 40 km/h (bergab) merkt man von der Rauigkeit nichts mehr, aber die Nabe scheppert in den höchsten Tönen. Ruhig war sie nur, wenn ich im dritten Nabengang mit Last getreten habe, was aber nur selten vorkam.

Fährt man auf einer viel befahrenen A-Road, sind die Reifengeräusche der Autos sowieso lauter als die Nabe, was schon bald „Gehörschutzmittelträchtig“ ist.  

Die A-Roads sind die Hauptrouten, vergleichbar mit unseren Bundesstraßen. Sie sind auch einigermaßen um die Hügel herumgeführt, dass die Steigungen und Gefälle nicht ganz so schlimm verlaufen.

Die B-Roads sind schon etwas weniger befahren, wie unsere Landstraßen, die auch mal recht gemein über den Hügel geführt sind.

Schlimm wird es bei den nicht benannten Straßen. Zwischen Flachland und 25 % kann hinter jeder Kurve die tollste Überraschung warten.

Kommt hinzu, dass viele Straßen beidseitig mit hohem Hecken- und Baumbewuchs Sichtbehindert sind, was in Kurven gefährlich werden kann, wenn die Autofahrer den Radfahrer überholen wollen. Auf allen drei Reisen ist mir deutlich aufgefallen, dass in England viel mehr Autoverkehr ist als in Deutschland, die Autofahrer aber geduldiger und aufmerksamer fahren, auch wenn es nicht so aussieht, aber das übt sich wohl, wenn man sein Leben lang nur auf so unübersichtlichen Straßen fährt, und man auch ständig mit Radfahrern rechnen muss, die sich den Hügel hoch quälen, weil es keine Radwege gibt.

Das stimmt nicht ganz, denn Radwege gibt es sehr wohl, wenn auch nur wenige, jedoch gibt es in England keine Benutzungspflicht. Manche Radwege sind ganz vernünftig angelegt, wo der bergauffahrende Radfahrer ausweichen kann, um den Autoverkehr fahren zu lassen, im Allgemeinen kann ich Radfahrern empfehlen, Radwege möglichst nicht zu benutzen, da viele einfach so enden. Dann steht man da neben einem 20 cm hohen Kantstein mit dem voll beladenen Reiserad und da rauscht ein Auto nach dem anderen an dir vorbei. Wie kommt man da auf die Straße, ohne einen Autofahrer zu einer Notbremsung zu zwingen? – Ich weiß es nicht. Aber selbst nach einer Notbremsung wird nicht geschimpft, sondern gelächelt. Man freut sich eben, dass nichts passiert ist.

In England habe ich im Vergleich zu Deutschland viel mehr das Gefühl, ein Verkehrsteilnehmer von allen zu sein und nicht als drittklassiges Hindernis angesehen zu werden, obwohl ich beim Bergaufschieben mich selbst als Hindernis fühle. Aber ich glaube, ich mache mir da die Sorgen selber. Die Autofahrer sind geduldiger als ich. Ist Ungeduld eine deutsche Krankheit? Langweilig sind die Engländer aber keinesfalls.

Schon 1995 mit vollbeladenem Reiserad, und 2007/2008 erst recht mit dem Liegerad, konnte ich mich vor Neugierde und Begeisterung der Engländer kaum retten. Kommunikativ sind sie. Willst du deine Ruhe haben, darfst du nur dort anhalten, wo keiner ist und dich keiner sieht. In Ruhe den Schlauch wechseln geht nicht am Straßenrand. 1995 hatten mich 4 Autofahrer durch anbieten von Hilfe gewaltig von der Arbeit abgehalten. In Deutschland scheren sich die Autofahrer einen Dreck um den Radfahrer, der am Straßenrand am basteln ist. Da stellt sich doch die Frage, wie sich der Autofahrer nun (menschlich-) richtig verhalten sollte. Ich würde sagen, es ist besser Hilfe abzulehnen wenn man sie nicht braucht, als alleine dazustehen wenn man doch welche braucht. In Deutschland ist einfacher zu fahren, aber liegen bleiben möchte ich lieber in England.

Hilfreich verhält es sich auch mit den Übernachtungen. Kommt man in eine Ortschaft und das Hotel ist zu teuer, die Jugendherberge voll und alle Bed & Breakfast haben "No Vacancies", so verzweifle man nicht, sondern frage mal in einem Pub oder einem vollen B&B nach. Oft gibt es in einer Ortschaft auch mehrere Privatpersonen, die noch ein Zimmer frei haben, aber nur telefonisch erreichbar sind – vernetzt mit den B&B. Also, wo "Bed and Breakfast" dransteht, bekommt man "Bed and Breakfast", oder die Information, wo man es bekommt. Der letzte Satz ist ohne Gewähr.

 Als nächstes drei Übersichtskarten für den jeweiligen ungefähren Routenverlauf:

 

1995   1173 km

 

 2007    627 km

  

2008   963 km

 Habe Ich Interesse geweckt?
Den gesamten Reisebericht gibt zum
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